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3. DVFA Banken Forum, 11. Juni 2013, DVFA Center, Frankfurt am Main

"Geschäftsmodell Risiko": Über Finanzmärkte als komplexe Systeme und warum die Volkswirtschaft überhaupt gesunde Banken braucht

Welche Risiken zählen zum Kerngeschäft der Banken? Wie viel Risiko ist gesund? Wird Risiko angemessen gemanagt? Mit diesen und anderen für die Geschäftsmodelle der Banken entscheidenden Fragen befassten sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Referate und Diskussionen des 3. DVFA Banken Forums "Geschäftsmodell Risiko".

"Eine funktionierende Marktwirtschaft braucht ein stabiles und gesundes Bankensystem, das die jeweilige Wirtschaftsstruktur abbildet. Die derzeitige Regulierung verstärkt zwar die Stabilität des deutschen Bankensystems, jedoch werden die Margen der Banken eingeschränkt, was mittelfristig zu einer geringeren Wettbewerbsfähigkeit und einer Schwächung des Bankensystems führen kann." Dies sagte Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt, DZ BANK AG, und Vorstandsvorsitzender DVFA e.V..

Stefan Bielmeier referierte über "Banken in der Sozialen Marktwirtschaft: Anforderungen und Funktionen": In der Vergangenheit sei das Prinzip der Haftung von Banken im Ordnungsrahmen der Sozialen Marktwirtschaft nicht genügend beachtet worden. Bielmeier gab einen Ausblick auf Bemühungen um Nachjustierung wie die des zweistufigen Abwicklungsplanes EU Crisis Management Directive (CMD) und dessen Anwendung auf die zypriotischen Banken, ebenso auf Basel III und die Umsetzung eines Trennbankensystems.

Guido Hoymann, B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA , Co-Head of Equity Research, und Mitglied im DVFA Vorstand, hob zuvor in seiner Einführung die Bedeutung des "gesunden Menschenverstandes" beim Banking hervor. Er wies ebenso auf die Rolle der DVFA als Verbund von über 1300 Investment Professionals und deren Eintreten für plausible Geschäftsmodelle und Transparenz hin.

Hubertus Väth, Geschäftsführer, NewMark Finanzkommunikation, titelte seinen ambitionierten Vortrag "Können wir Risiko?". Er rekurrierte auf eine Unterscheidung Gerd Gigerenzers (und dieser mit Bezug auf Frank Knights) zwischen Gewissheit, Risiko und Ungewissheit, Geltungsbereiche, für die unterschiedliche Spielregeln gälten. Sicherheiten können gerechnet, Unsicherheiten allerhöchstens geschätzt werden. Unter Hinzunahme zweier wissenschaftstheoretischer Begriffe - "Emergenz" und "Phasenübergang" - als Charakteristika komplexer Systeme, schloss er, dass bei der Vergrößerung eines Systems die Risiken nicht linear, sondern exponentiell ansteigen. "Um Widerstandskraft zu steigern, braucht man Diversität, nicht Vereinheitlichung", resümierte Väth und stellte fest: "Finanzmärkte sind komplexe Systeme par excellence." Die Antwort auf die Frage "Können wir Risiko?" lautete: "Vielleicht." Intuition, Heuristik, Information auf der "terra incognita Risiko", die Verabschiedung von der Machbarkeitsillusion seien mögliche Schlüssel, um Risiken zu begrenzen.

Rainer Wilken, Partner, PricewaterhouseCoopers AG, Financial Services stellte die PwC-Studie "Project Blue" über "Chancen und Risiken aus globalen Trends für die Geschäftsstrategien der Banken" vor. Der Vortrag mündete in einem Ausblick auf das "Banking 2030". Der Fokus der Banken müsse unter anderem auf der Unterstützung der Realwirtschaft liegen, technologische Treiber und Urbanisierung ungekannten Ausmaßes - "Megacities" - im asiatischen Raum würden das Geschäft der Zukunft bestimmen.

Dr. Hartmut Gau, Abteilungsleiter Strukturierte Produkte, DZ BANK, gab mit "Handelsgeschäft der Banken: Risiken und Nutzen" eine dezidierte Analyse des Risikomanagements vor und nach der Krise. Er sagte, dass das Risikomanagement-System der Banken sowie das Know-how und die Eingriffsmöglichkeiten der nationalen und internationalen Bankenaufsicht seit Ausbruch der Krise verbessert und ausgeweitet worden seien.

Über "Kreditgeschäft der Banken: Risiken und Nutzen" sprach Dr. Wolf Schumacher, Vorsitzender des Vorstands, Aareal Bank AG, in einem lebhaften Schlussvortrag. Das "new normal" der Banken, hier in Bezug auf einer im Immobiliensektor tätigen Bank, werde bestimmt von völlig veränderten Rahmenbedingungen wie ständig ansteigenden Regulierungsanforderungen, der Staatsschuldenkrise, unsicheren Konjunkturaussichten oder EU-Vorgaben. Eine ausgeprägte Kreditklemme münde in neue Finanzierungsformen, z. Bsp. Unternehmensanleihen, und damit in anders geartete Risiken. Schumachers Referat war ein klares Plädoyer für mehr Bodenständigkeit und Ehrlichkeit im Bankensektor.

Die Veranstaltung endete mit einem Get-Together.