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3. DVFA Kongress, 19. Mai 2015, DVFA Center, Frankfurt/Main

Fast hundert Teilnehmer fanden sich am 19. Mai zum 3. DVFA Kongress ein.

„Professional Conduct - Wohin entwickeln sich die Märkte und wie bewahre ich Integrität und Wettbewerbsfähigkeit?“ lautete die Fragestellung im ersten Themenblock, zu dem Stefan Bielmeier, Vorstandsvorsitzender der DVFA, Ingo R. Mainert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DVFA, Ralf Frank, Generalsekretär DVFA, und Dr. Irina Kummert, IKP Executive Search GmbH, Präsidentin Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e.V., sprachen.

Veranstaltungsbericht Themenblock 1: Professional Conduct

Wohin entwickeln sich die Märkte und wie bewahre ich Integrität und Wettbewerbsfähigkeit?

Stefan Bielmeier eröffnete mit Erläuterungen zur Qualitätssicherung in der Weiterbildung und stellte fest, dass der Verband ein vitales Interesse daran haben muss, kommende Aufgaben mithilfe einer for- malen und inhaltlichen Neujustierung der Fortbildung zu meistern. Das schwierige Marktumfeld und die zunehmende Regulierung stelle die Weichen für die Mitglieder des Berufsverbandes somit neu. Ethische Fragestellungen rückten in den Mittelpunkt, das Leitbild eines Professional Conduct als Benchmark und die Einführung einer verbindlichen Selbstauskunft seien die gesetzten mittelfristigen Ziele.

Die Einspielung eines Interviews, das  Ralf  Frank mit Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Leiter des DVFA Ethikpanels, zu diesen Fragen geführt hat, unterstützte die Forderung Bielmeiers eindrücklich.

Ingo R. Mainert erläuterte in einem historischen Rückblick, dass die Wirtschaftswissenschaften die Rückkehr zu geisteswissenschaftlichen Wurzeln vollzögen. Die Finanzmarktliberalisierung in Verbindung mit einer starken Tendenz zur Mathematisierung habe Fehlentwicklungen erst mitermöglicht. „Wir müssen proaktiv mit den veränderten Anforderungen um- und vorangehen“, sagte Ingo R. Mainert. Die DVFA besinne sich mit der Hinwendung zu Professional Conduct ebenfalls auf ihre eigenen Wurzeln.

Ralf Frank präzisierte das Konzept der Selbstauskunft und stellte ein Instrument zur Überprüfung des eigenen Kenntnisstands visuell dar. Der Fragebogen soll den Wissensstand abklopfen und dem Mitglied einen Hinweis darauf geben, wie dieser einzustufen ist.

Dr. Irina Kummert, IKP Executive Search GmbH und Präsidentin Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e.V., fragte:„Welche Rolle spielt Regulatorik bezogen auf die moralische Integrität der Kapitalmarktaktteure?“ Sie gab zu bedenken, dass der Begriff „Risiko“ einseitig negativ belegt ist und stellte fest: „Wer kein Risiko übernimmt, übernimmt auch keine Verantwortung.“ Sie wies ebenso auf die begriffliche Differenz zwischen „Verantwortung“ und „Regelkonformität“ hin und: „Anlageentscheidungen werden grundsätzlich unter Unsicherheit getroffen.“ Sie führte aus: „Regulierung evoziert eine Scheinsicherheit und kann dazu führen, dass wir unser Denken ausschalten.“

Dr. Kummert lieferte auch interessante Beiträge in der anschließenden Paneldiskussion, an der Stefan Bielmeier, Ralf Frank, und Ingo R. Mainert unter der Moderation von Hubertus Väth, NewMark Finanzkommunikation, teilnahmen. Die verwendeten Begrifflichkeiten „Ethik“ und „Moral“ seien unscharf, so Kummert, und dies sei Teil des Problems. Mainert stellte aber richtig, dass es grundlegende Übereinkunft bei einem Begriff wie etwa „Fairness“ gebe. „T0, jetzt bitte Ethik“, gehe aber trotzdem nicht, denn Ziel sei die evolutionäre Implementierung eines intrinsisch motivierten Handelns. Das vom DVFA Ethikpanel unter Leitung von Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin formulierte Ethikpapier geht in die richtige Richtung, darin waren sich alle einig.

Veranstaltungsbericht Themenblock 2: MiFID II und die Auswirkungen

Was uns die ESMA mit der MiFID II-Regulierung beschert.

Ab dem 03.01.2017 wird die MiFID II geltendes Recht im europäischen Raum. Im Bereich „Inducements“ (Deutsch: Zuwendungen) greift die Regulierung damit ganz massiv in den Markt für Wertpapierresearch und die damit verbunden Dienstleistungen ein. Das betrifft die Mitglieder der DVFA unmittelbar.

Dr. Joachim Kayser, PwC, führte mit einem Impulsvortrag in das komplexe Thema ein. Eines ist sicher: MiFID II hat massive Auswirkungen auf die Investor Relations. Primär involvierte Bereiche sind der Anlegerschutz und die Marktinfrastruktur. MiFID II unterscheidet bei der Behandlung von Inducements bzw. Zuwendungen zwei Kategorien.

Die erste Kategorie betrifft die unabhängige Beratung und das Portfolio Management. Monetäre und nicht-monetäre Anreize sind dort zukünftig verboten, eine Ausnahme ist für sog. „kleinere nichtmonetäre Vorteile“ möglich, wenn die Servicequalität erhöht wird, führte Kayser aus.

Die abhängige Anlageberatung ist der zweite Bereich. Die Annahme von Zuwendungen ist nur noch dann erlaubt, wenn die Servicequalität erhöht wird, kein Interessenkonflikt besteht, und eine umfängliche Kundeninformation damit verbunden ist.

Jean Pierre Pinatton, Vorsitzender des Aufsichtsrates Oddo & Cie, Paris, berichtete über die MiFID II-Initiative in Frankreich. Nach einem Überblick über die involvierten trade associations und die eingebunden Regierungs- und Regulationsstellen explizierte er die kritischen Punkte bezogen auf die Bereiche Equities, Non Equities und den Investorenschutz. Verbesserungen der Verordnung könnten nur langwierig über das Parlament, die die Verordnung begebende Kommission und die BaFin erzielt werden.

Die anschließende Paneldiskussion mit Dr. Joachim Kayser, PwC, Holger Lehnen, DAI, Jean Pierre Pinatton, Michael Schmidt, Vorstandsmitglied DVFA, Rudolf Siebel, BVI, war hitzig und von Kritik gegenüber den neuen Anforderungen geprägt. Pinatton sprach sogar von einer „atomic bomb“ in Bezug auf das Research. Aus dem Publikum meldete sich Kay Bommer, DIRK Investor Relations Verband, und bemerkte, dass sehr wohl die Bereitschaft vorhanden sei, etwas für mehr Transparenz zu tun und auch für gutes Research zu zahlen. Für große Unternehmen ändere sich nichts, die kleinen müssten sich darauf einstellen.

Die sehr gut besuchte Kongressveranstaltung ging nahtlos in die jährlich stattfindende Gartenparty über, zu der über 220 Gäste kamen.

DVFA Kongress 2015 - Video-Impressionen

Sprecher und Panelisten

  • Stefan Bielmeier | DZ BANK AG und Vorstandsvorsitzender DVFA
  • Ralf Frank | Generalsekretär DVFA
  • Dr. Joachim Kayser | PwC
  • Dr. Irina Kummert | IKP Executive Search GmbH, Präsidentin Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e.V.
  • Holger Lehnen | DAI
  • Ingo R. Mainert | Allianz Global Investors Europe GmbH & Vorstandsmitglied DVFA
  • Jean Pierre Pinatton | Aufsichtsratvorsitzender Oddo & Cie Group
  • Michael Schmidt | Vorstandsmitglied DVFA
  • Rudolf Siebel | BVI
  • Hubertus Väth | NewMark Finanzkommunikation