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1. DVFA Ethik Forum - Ethik und Integrität im Finanzmarkt, 25. September 2015, DVFA Center, Frankfurt am Main

Beschäftigung mit dem Thema Ethik steht in der Tradition des DVFA

Ingo R. Mainert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DVFA e.V., erläuterte zum Auftakt der Veranstaltung, warum sich der Verband mit dem Thema Ethik beschäftige und wies darauf hin, das Thema sei schon seit 2011 im Leitbild des Verbandes verankert und auch der Zusatz zum Namen der DVFA „Verantwortung im Kapitalmarkt“ sei Hinweis auf diese ethisch-reflektierte Grundhaltung.

Dem Vorstand der DVFA gehe es darum, Wege aufzuzeigen, um verloren gegangenes Vertrauen in die Akteure an den Finanzmärkten zurück zu gewinnen. Dazu sei 2012 das Ethikpanel ins Leben gerufen worden, um Handlungsmaximen zu erstellen, die Investment Professionals Orientierung für ein ethisch ausgerichtetes Verhalten geben.

Rückgriff auf antike Tugenden

Julian Nida-Rümelin, einer der renommiertesten zeitgenössischen philosophischen Denker in Europa, stellte in einem knappen Vortrag die Stoßrichtung des Positionspapiers dar. Er wies darauf hin, dass eine Ordnung, die allein durch Regeln, Sanktionen und Kontrolle durchgesetzt werden soll, in der Praxis zum Scheitern verurteilt sei. So sei etwa der Versuch, durch Boni und mehrtausendseitige Compliance-Anweisungen eine Steuerung von Mitarbeitern zu erreichen, dysfunktional und inhuman.

Das Ethikpanel habe dagegen im Rückgriff auf die Tradition des antiken Denkens seine Botschaft unter den Begriff der Tugend zu fassen versucht. Die Tugenden Urteilskraft, Entscheidungsstärke, Besonnenheit und Integrität sollten das Handeln auch an den Finanzmärkten leiten.

Wenn Vertrauen fehlt, wird es extrem teuer

Der niederländische Journalist Joris Luyendijk, Redakteur für „The Guardian“ und Autor des Buches „Unter Bankern“, zeichnete in seinem Impuls-Vortrag „Banking Culture“ ein eher pessimistisches Bild einer auf schnelles Geldverdienen geprägten Finanzbranche, wie er sie durch viele Interviews in der Londoner City kennengelernt hat. Luyendijk sieht in der Beschäftigung mit Tugenden eine Sensibilisierung der Finanzmarktteilnehmer für Probleme, und glaubt, dass an dieser Stelle Selbstregulierung helfen kann, aber nur dann, wenn Finance mit seinen Anreizsystemen auch grundlegend verändert wird.

Im ersten Panel „Ethik wagen – Regulierungsdruck mildern“ diskutierten Oliver Behrens, Dr. Andreas Raymond Dombret, Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Andreas Schmitz und Stefan Winter einerseits, wie kleinteilig die Regulierung in der Finanzindustrie geworden sei. Nicht selten nähmen Compliance-Überlegungen breiteren Raum ein als eigentliche Geschäftsentscheidungen. Die Kosten der Regulierung seien daher extrem hoch. Andererseits so Vertreter des Panels, sei der Nutzen funktionierender Banken für die Realwirtschaft hoch. Immer da aber, wo Vertrauen fehle, werde es extrem teuer. Die Regulierung sei als Reaktion auf die Finanzkrise das Bestreben, Vertrauen in die Finanzbranche zurückzubringen. Es solle nicht alles geregelt werden, die Regulierung sehe ihre Aufgabe vielmehr darin, Leitplanken vorzugeben.

Ethik stiftet Orientierung

Im Panel 2 „Selbstregulierung – Selbsttäuschung…?“ rangen Dr. Günter Birnbaum, Joris Luyendijk, Ingo R. Mainert, Dr. Henrik Pontzen und Dr. Susanne Schmidt in einer lebhaften Debatte darum, die intrinsisch motivierte Selbstregulierung und staatlich vorgegebene Regulierung nicht als Gegensatz zu verstehen, sondern als jeweilige Ergänzungen. Ethik stifte Orientierung innerhalb sehr detaillierter und schwer zu überschauender Regeln.

Einig war sich das Plenum darin, dass die Debatte um eine ethische Erneuerung der Branche Zeit brauche und ein gutes Stück des Weges zu gehen bleibt. Der DVFA komme dabei in erster Linie die Aufgabe zu, die Tugend der Urteilskraft zu stärken, indem sie die fachliche Kompetenz ihrer Mitglieder durch hochwertige Aus- und Weiterbildungsangebot sicherstelle. Zudem sei es wichtig für den Berufsverband der Investment Professionals in Deutschland, die Debatte um das richtige Ethos der Branche weiterzuführen.

Das Positionspapier des DVFA Ethikpanels: Zur Förderung ethischer Tugenden in Finanzunternehmen

Die Finanzbranche braucht eine Kultur der Integrität. Ein Finanzmarkt ohne ethischen Grundkonsens funktioniert auf Dauer nicht. So lauten wesentliche Thesen des Ethikpanels der DVFA, dessen aktuelles Positionspapier im Rahmen des Ethik Forums „Ethik und Integrität im Finanzmarkt“ am 25. September in Frankfurt am Main präsentiert wurde.

Das Papier trägt den Titel „Ethik. Zur Förderung ethischer Tugenden in Finanzunternehmen“. Es wurde erarbeitet durch ein unabhängiges Gremium von 15 Wissenschaftlern, Bankern, Juristen und Kommunikationsexperten unter der Leitung des Münchner Philosophen und Staatsministers a.D. Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin.