Interview mit Dr. Peter König, von der Finanznachrichten-Agentur dpa-afx am 15. Juni 2005
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Vergleich von Fondsratings muss nach Einschätzung der DVFA einfacher werden. "Bei den immer aufwändigeren Verfahren ist es inzwischen sogar für Anlageberater schwierig zu differenzieren", sagte DVFA-Geschäftsführer Peter König der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Eine Harmonisierung ist daher notwendig."
Dabei müsse die Vielfalt der verschiedenen Methoden nicht beschnitten werden. "Klar muss nur sein, nach welchen Kriterien der Fonds bewertet wurde", fordert König. Die DVFA veranstaltet zu dem Thema "Analyse und Rating von Investmentfonds" am 22. und 23. Juni 2005 ein Seminar.
Spreu vom Weizen trennen
Der Grundgedanke von Fonds sei, dem Sparer die Anlageentscheidung zu erleichtern. "Dieses Ziel ist jedoch grandios verfehlt worden", kritisierte König. "Inzwischen müssen Experten dazwischen geschaltet werden, die den Fonds beurteilen." Fragen, wie solide die Gesellschaft ist und ob der Fondsmanager die richtigen Entscheidungen trifft, könne der Endverbraucher in der Regel nicht alleine ausreichend beantworten. "Bei inzwischen mehr als 6.000 Investmentfonds in Deutschland müssen die Urteile von Rating-Profis helfen, die Spreu vom Weizen zu trennen."
Der Bedarf ist entsprechend hoch: Die Anzahl der Rating-Agenturen steigt - und mit ihnen die unterschiedlichen Arten der Analyse. "Während bei einem Ranking der Schwerpunkt auf quantitativen Kriterien wie der historischen Rendite der Fonds liegt, werden bei den Ratings in der Regel zusätzliche qualitative Aspekte nach Gesprächen mit dem Fondsmanagement einbezogen", erklärte König.
'Nicht zuviel mit einbeziehen'
Damit die Analyse für den Verbraucher auch nachvollziehbar bleibt, sollten die Kriterien für das Urteil überschaubar bleiben, rät König. Hinterfragt werden sollte auch, inwieweit einige Faktoren überhaupt aussagekräftig sind. "So wird bei einigen Ratings der Ausgabeaufschlag mit berücksichtigt – das ist schon deswegen kritisch, weil diese einmalige Gebühr ins Verhältnis zur Haltedauer gesetzt werden muss", sagte König. Hinzu komme, dass der Ausgabeaufschlag auf dem Papier bei weitem nicht immer gezahlt werden müsse; Direktbanken bieten hier oft Rabatte an. "Die Einbeziehung des Ausgabeaufschlags kann deshalb das Rating einzelner Fonds verzerren", sagte der DVFA-Geschäftsführer.
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